Orientierungshilfe im pandemischen Info-Dschungel: Corona-Schwerpunkt

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Wissen was wahr sein könnte, gestaltet sich in der modernen Nachrichtenflut und ihren Informationskriegen schwieriger als es sonst schon ist. Die Grundsätze, die sich u.a. von der sokratischen Philosophie ableiten lassen, können uns dabei helfen, nicht die Orientierung zu verlieren.

Die Corona-Krise schafft und verstärkt Konflikte, die von der politischen Öffentlichkeit bis ins Private getragen und dort auch ausgetragen werden. Sie gehen einher mit einer modernen Kommunikationskultur, einem Informationskomplex aus Fake News und „alternativen Fakten“, Verschwörungsnarrativen und Propaganda, Internet-Bots und Online-Trollen, Marketing und Heilsversprechungen, beruflichen Schönredner*innen und professionellen Unheilsversprecher*innen, politischen Reden und wissenschaftlichem Fachjargon.

Konfliktparteien stehen unter rhetorischen Waffen. Es herrscht ein Kampf um Anhängerschaften und Deutungshoheiten. Machtansprüche, Marktstellungen und Weltbilder werden verteidigt, während manche Akteur*innen bloß versuchen, die Seuche in den Griff zu bekommen.

Dabei ist es unübersichtlich geworden – vor allem in der Frage der Maßnahmen gegen die Pandemie. Zwischen den unterschiedlichen Meinungs- und Glaubensgruppen zieht sie sich als Trennlinie quer durch die Gesellschaften. Es geht dabei nicht nur um die unterschiedlichen Grade von Befürwortung oder Ablehnung, sondern letztlich um die uralte Frage nach Wahrheit.

Ein ideales Thema für die Erosophie. Deshalb stelle ich in diesem Artikel meine persönlichen Orientierungshilfen vor.


MITEINANDER

Unlängst hörte ich ein Interview mit Ingrid Brodnig, über ihr neues Buch „Einspruch! – Verschwörungsmythen und Fake News kontern”. Sie erwähnte dabei auch den sokratischen Dialog als Hilfsmittel, mit dem auch ich mich immer wieder beschäftige. Das ist kein Zufall.

Gerade in einer außergewöhnlichen Krise, in wir mit Lebens- und Überlebensentscheidungen konfrontiert sind, die uns und andere gleichsam betreffen, müssen wir den gemeinsamen Diskurs suchen – den Versuch, eine gemeinsame Lösung zu finden, die eine gemeinsame Perspektive und letztlich eine gemeinsame Wahrheit voraussetzt. Zwang von Oben alleine genügt nicht. Das scheint gerade die hohe Infektiosität von Sars-CoV-2 und seiner Mutanten zu offenbaren.

Das Prinzip des (sokratischen) Dialogs, bedeutet eine Art der Kommunikation, die im starken Kontrast zu dem steht, was wir tagtäglich im Informations-Dschungel moderner Medien und „sozialer Netzwerke“ erleben. Rechthaberei wird zur Verdrängung von fremden Wahrnehmungen und Meinungen.

Grundsätzlich gilt:
Mit sich allein kann jede*r Rechthaber*in sein. Wirklich Recht haben kann nur, wer den Dialog sucht.

Die Prinzipien des ehrlichen Dialogs lassen sich auch auf den inneren anwenden, auf die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Wer mit mit anderen keinen ehrlichen Dialog führen kann, kann ihn in der Regel auch nicht mit sich selbst führen; und wer andere dabei zu täuschen versucht, täuscht meist auch sich selbst.

Wer nicht bereit ist, einen echten Dialog zu führen, hat kaum ein Interesse an Wahrheitsfindung.

Ich möchte über folgende Punkte nachdenken:

 

1. NIE WIEDER FASCHISMUS!

Der erste Punkt ist einfach. Er hat auch den Vorteil, dass ich gleich eine große Konflikt-Gruppe aus den weiteren Betrachtungen aussortieren kann. Faschisten: Neonazis, Rechtsradikale, Rechtsextreme, Rechtspopulisten benützen die Krise und die Gegner*innen der staatlichen Corona-Maßnahmen, um sie für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Sie wollen Misstrauen in jene demokratischen Institutionen schüren, die sie an der Machtergreifung hindern.

Sie interessieren sich dabei weder für eure Gesundheit, noch für eure Freiheit. Beides steht im Widerspruch zu ihrer menschenfeindlichen Ideologie. Glaubt ihnen nicht, folgt ihnen nicht, benützt nicht ihre Rhetorik, solidarisiert euch nicht mit ihren Aktionen!

Fazit:
Ihr könnt auch eure eigenen Anti-Corona-Maßnahmen-Demos organisieren, wenn es euch wirklich wichtig ist.

 

2. BEGRIFFSENTWIRRUNG

Wenn wir in einen Dialog/Diskurs miteinander treten, müssen wir zunächst die wesentlichen Begriffe abklären, über die wir verhandeln wollen. Auch bei allgemein bekannten, sehr vertrauten Begriffen kann es durchaus vorkommen, dass alle Beteiligten unterschiedliche Dinge darunter verstehen.

Zum Beispiel:
Die Forschung versteht unter „Spätfolgen“ nach Impfungen solche Nebenwirkungen, die in der Regel innerhalb von 14 Tagen eintreten. Manche denken dabei jedoch an „späte Folgen“, die auch erst nach Jahren eintreten könnten.

Oder:
Kritik an Impfstoffen und kategorische Impfgegnerschaft werden sehr oft vermischt. Was bedeutet es aber wirklich, wenn eine Person davon spricht, „ein Problem mit Impfungen“ zu haben? 


Ein Dialog oder Diskurs führt nirgendwo hin, wenn über die wesentlichen Begriffe keine Einigung zustande kommt. In solchen Fällen lassen sich zwar immer noch Debatten ausfechten – meist um die Gunst eines unsichtbaren Publikums – aber zur Erhellung trägt das kaum bei.

Zur Überlegung:
Wenn wir von Corona-Maßnahmen reden, welche meinen wir dann genau? Wie bewerten wir sie einzeln? Was ist dieses Virus eigentlich, von dem wir ständig reden und was wissen wir persönlich darüber? Wie funktioniert eine Impfung und wie die jeweiligen Impfstoffe? Können wir uns darauf einigen oder verstehen wir unter diesen Begriffen ständig verschiedene Dinge? Z.B. weil es dabei für die Einen um die Immunisierung des Körpers geht und für die Anderen um ein gemeingefährliches Massenexperiment, das dem Körper mehr schade als nütze.

Es klingt zwar logisch, wenn ich sage, dass sich folgende Kategorien voneinander unterscheiden:
Tatsachen-Wahrheiten (ich wurde am 17. 2. geimpft), Vernunft-Wahrheiten (Nadeln können nachweislich stechen), Wahrnehmungen (Impfstoffentwicklung war schnell), Meinungen (Ich denke darüber Folgendes), Wissen, Glauben, Daten, Realität. Aber In der öffentlichen Debatte wie auch in privaten Auseinandersetzungen, werden diese Kategorien immer wieder durcheinander gebracht.

Zum Beispiel:
Person A sagt, sie wurde mit Sars-CoV-2 infiziert. Wir glauben es, weil sie eine ärztliche Bestätigung hat. Diese erzeugt eine hohe Faktizität, neben dem Eindruck, dass Person A keinen Grund habe zu lügen. Person B ist dennoch nicht überzeugt, weil sie fest daran glaubt, dass „Corona“ grundsätzlich eine Lüge sei und die Ärzt*innen sich an dieser Verschwörung beteiligen. Dies sei einfach ihre Meinung von der Wirklichkeit, in der wir leben, meint Person B.

Meine persönliche Wahrnehmung von Person A kann mich täuschen. Aber ich darf die konkreten Daten (ärztliche Bestätigung) als Tatsachen-Wahrheit annehmen. Daraus ergibt sich ein Wissen, dass einen höheren Stellenwert hat als der bloße Glaube von Person B, egal wir stark (oder überzeugend) dieser erscheinen mag. An dieser unterschiedlichen Wertigkeit ändert auch die viel beschworene Meinungsfreiheit nichts. Denn eine Meinung, über die man diskutieren können muss, lässt sich nur auf Grundlage von geteiltem Wissen bzw. Tatsachen bilden.

Zu den Mitteln der rhetorischen Manipulation in Medien, Kommentaren oder Gesprächen gehört es (bewusst wie unbewusst), Kategorien und Bergriffe durcheinander zu bringen oder je nach Bedarf die Definition von Begriffen willkürlich zu verändern, um die Argumentation des Gegenübers abzuwehren oder zu schwächen oder um ganz einfach für eine Begriffsverwirrung zu sorgen, in der man mit eigenen Ansichten leichter entkommen kann.

Zum Beispiel:
Der Begriff Wahrheit selbst wird meistens dann angezweifelt, wenn dem Gegenüber die Argumente ausgehen oder wenn Medien eigentlich nichts zu sagen haben. Dann heißt es: „Die Wahrheit gibt es doch gar nicht“ oder „Ich schätze, wir haben alle unsere eigene Wahrheit“ usw.

Fazit:
Wir müssen überprüfen, ob wir und/oder andere unter verwendeten Begriffen das Richtige bzw. das Selbe verstehen.

 

3. WERTSCHÄTZUNG

Nicht jede Meinung zählt gleich viel. Nicht jede Aussage ist gleich bedeutsam. Wertschätzung gegenüber anderen bedeutet jedoch genau das: Ich nehme mir Zeit, den Wert einer fremden Meinung oder Aussage einzuschätzen.

Gleichgültigkeit

Dinge von einander unterscheiden zu können, gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten jedes Lebewesens. Es ist eher schwer, zu überleben, wenn man eine Hauskatze nicht von einem Tiger unterscheiden kann. Daher sind, unter gewissen Umständen, auch Pauschalisierungen gefährlich.

Umso erstaunlicher ist die Ausdauer, mit der manche Menschen erklären, dass es sich beim Tiger doch nur um eine etwas größere Schmußekatze handeln würde, solange dieser nur im Nachbargarten sitzt. Es ist auch immer nützlicher, zu erklären, hinter welchem Gebüsch genau der Tiger lauert, als die gesamte Nachbarschaft pauschal zur Gefahrenzone zu erklären. Das Konstruieren von Gleich-Gültigkeit zwischen Begriffen, um ihre Differenzen zu verwischen, ist auch ein Mittel der (Selbst-)Täuschung.

Ohne Fähigkeit und Bereitschaft zu differenzieren und Unterscheidungsmerkmale anzuerkennen, gibt es keinen Dialog.

Die Egalisierung von Aussagen ist ziemlich weit verbreitet. Wir finden sie oft in wissenschaftsfeindlichen Medien („Wissenschaft ist auch nur eine Religion, deshalb ist unsere heilige Schrift ein Geschichtsbuch.), in Online-Kommentaren oder in privaten Debatten („Die Details/Die Quellen/Die Begriffe sind doch jetzt gleich(gültig).” “Es geht um das (mein) Gesamtbild.” “Jede Meinung zählt.).

Abwertung

Eine Exit-Strategie, die meist mit Gleichgültig-Machung oder der Disruption durch emotionale Angriffe (siehe unter Punkt 5) einher geht, ist die Abwertung des Dialogs. Die ablenkende Person wird den Sinn des Gesprächs überhaupt in Zweifel ziehen, wenn es sich in eine für sie nicht zufriedenstellende Richtung bewegt. Manchmal weitet sie das Argument der Sinnlosigkeit auf ein ganzes Themenfeld oder die Wahrheit an sich aus.

Beispielsweise:
Eine Unterbrechung z.B. durch Sich-Gekränkt-Zeigen, endet nicht selten mit einer Aussage wie „Es macht keinen Sinn, (weiter/mit dir) darüber zu reden.” “Es ist egal, was wir besprechen.” “Es ändert sich sowieso nichts.

Leider bedeutet die Abwertung des gemeinsamen Dialogs und des Zwecks dahinter, indirekt auch eine Abwertung der eigenen Fähigkeit zur Wahrheitsfindung.

Fazit:
Wertschätzung gegenüber anderen Meinungen bedeutet nicht, jeder Meinung den selben Wert beizumessen. Das käme einer Vernichtung jedes Aussagewerts gleich und letztlich einer Abwertung unserer eigenen Vernunft. Menschen wertzuschätzen bedeutet auch, ihre Aussagen ernst zu nehmen und daher auch richtig einzuordnen.

4. KOMMUNIKATION

Vor allem wer als Expert*in Behauptungen aufstellt, ist nicht nur selbst für deren Argumentation (idealerweise für deren Erklärung) verantwortlich. Gerne wird aber selbst die Erläuterung oder gar die Beweisführung des Behaupteten an das Publikum in den Kommentarleisten ausgelagert. Wenn wir in den Dialog bzw. Diskurs treten, sollte unsere Sprachlichkeit kein Labyrinth sein, in dem Minotauren lauern – wenn ihr versteht, was ich meine.

Hinter einer unklaren Sprache voller Barrieren, steckt entweder mangelnde Kommunikationsfähigkeit oder Täuschungsabsicht. Die Art der Kommunikation kann überhaupt Hinweise auf die Vertrauenswürdigkeit von Aussagen liefern. Bekanntlich ist dabei nicht nur aufschlussreich, was gesagt wird, sondern auch, was nicht gesagt wird.


Wir dürfen skeptisch sein…

  • Wenn Andere stark generalisieren und pauschale Behauptungen aufstellen („Mund-Nasen-Schutz hilft immer/nie“)
  • …Vor allem zu fachfremden Themen, in denen sie nur beschränkt Expertise haben.
  • Wenn sie versuchen, negativ zu emotionalisieren („Ich will ja keine Panik verbreiten, aber…“).
  • Wenn sie dabei vor allem vage Aussagen machen (zudem zu fachfremden Themen) und stets bei Andeutungen bleiben.
  • Wenn sie zwar valide Fakten ansprechen, diese aber nicht in echte Zusammenhänge mit dem thematisierten Gegenstand bringen („Die Covid-19-Impfungen können nicht sicher sein, denn bei anderen früheren Impfstoffen dauerten Entwicklung und Zulassung länger“ oder Wir müssen jetzt handeln, deshalb gibt es nächste Woche Lockdown.“).
  • Wenn sie schwerwiegende Behauptungen („PCR-Tests sind unbrauchbar. Ich wusste alles von Anfang an.“) aufstellen, ohne sie näher zu erläutern (oder beweisen zu können).
  • Wenn sie fehlende Daten kritisieren, das eingestandene Nichtwissen aber dazu nützen, konkrete Prophezeiungen zu machen oder Ergebnisse zu suggerieren („Wir wissen nichts Näheres, deshalb/aber können wir davon ausgehen, dass dies und das der Fall sein muss.“).
  • Wenn sie Unterstellungen gegen andere Personen (Ad personam-Äußerungen) machen oder andeuten, anstatt deren Inhalte/Aussagen zu beurteilen.
  • Wenn sie umgekehrt ihre eigene Persönlichkeit und frühere Leistungen (Akademische Titel, Berufserfahrung) als Argument für/gegen Tatsachen/Gegenständliches einsetzen („Die Kollegin irrt sich, denn ich habe mehr Berufserfahrung.“).
  • Wenn sie kontinuierlich Fakten, z.B. Studien, nennen, die ihre Aussagen stützen, aber jene unerwähnt lassen, die ihnen widersprechen, auch wenn diese für das aktuelle Thema relevant sind (was immer wieder eigene Recherchen notwendig macht).
  • Wenn sie dem Publikum dabei nicht helfen, die von ihnen vorgebrachten Daten einzuordnen, sondern sie lediglich als rhetorisches Zierwerk und emotionale Blendgranaten verwenden.
  • Wenn überhaupt viele unterschiedliche Daten/Fakten aneinander gereiht, aber keine Erklärungen (zu Zusammenhängen) oder Quellenangaben gemacht werden.
  • Wenn gewisse Codes oder Triggerworte (z.B. „Bill Gates“, „Deep State“, „Coronaleugner“, „Schwurbler*innen“, „Covidioten) eingefügt werden, mit denen ein bestimmtes Zielpublikum emotionalisiert werden soll.
  • Wenn das Gesagte mit Eigenwerbung verbunden ist (dann wissen wir zumindest, dass bald eine Halb-Biografie mit reißerischem Titel herausgebracht wird).
  • Wenn jemand eher ein ganzes Weltbild herbei argumentieren will, anstatt auf einzelne Tatsachen einzugehen („Unabhängig von den einzelnen Fakten, habe ich den Eindruck, dass die Welt insgesamt einfach so und so ist.“).
  • Wenn jemand Kritik an seinen*ihren Inhalten als Zensur und persönliche Opferrolle darstellt.
  • Wenn sich Expert*innen (meist alte weiße cis Männer) als rebellische Einzelgänger stilisieren und wissenschaftlichen Konsens als Problem darstellen.

Das heißt nicht, dass Akteur*innen, die sich so verhalten, grundsätzlich oder in allen Belangen unrecht haben oder bewusst täuschen wollen. Allerdings sollten wir mit ihren Aussagen vorsichtig umgehen.

Tipp:
Wenn Personen als „Experten“ ausgewiesen wurden, muss man manchmal genauer hinsehen, ob mit „Arbeit in diesem Fachbereich“ tatsächlich Forschung gemeint ist und nicht etwa Logistik oder Handel.

Gute Expertise ist nicht unfehlbar, aber in der Kommunikation achten seriöse Expert*innen oder gute Journalist*innen darauf, Aussagen verständlich zu machen, Zusammenhänge zu erläutern und auch die Grenzen des eigenen Wissen oder Befangenheiten offen zu legen.

Positives Beispiel…
…dafür ist das „Corona Update“ von NDR. Korinna Hennig oder Beke Schulmann legen, in ihren Gesprächen mit den Experti*innen, jeweils offen, wenn besprochene Daten noch nicht das wissenschaftliche Peer Review erfahren haben oder ein Naheverhältnis Drostens oder Ciseks zu einer Studie besteht. Auch unterscheiden diese Expert*innen klar zwischen eigenem gesichertem Wissen, reinen Vermutungen oder vorsichtigen und gewagten Interpretationen.

Kontext, bitte!

Falsche Zusammenhänge zu konstruieren, ist das Hausmittel der sprachlichen Manipulation.

Zum Beispiel:
In der aktuellen Impfdebatte verweist man auf sämtliche negativen Ereignisse rund um frühere Impfungen, selbst wenn sie nur indirekt mit dieser Impfung zu tun haben und ohne deren positiven Ergebnisse zu erwähnen. Mit diesen herausgepickten spezifischen Daten versuchen manche z.B., die generelle Gefährlichkeit einer „Impfkultur“ zu suggerieren.

Oder:
Angeblich wurde argumentiert, Vektor- und mRNA-Impfstoffe könnten nicht gefährlich sein, weil man beim Verzerr von Fleisch ebenso fremdes Genmaterial zu sich nehme.

In beiden Fällen versucht man demnach, eine Gleichwertigkeit zwischen etwas Allgemeinem (Methode des Impfens/DNA in Zellmaterial) und etwas Spezifischem (spezielle Impfstoffe gegen Sars-CoV-2/Bestimmte isolierte Geninformation) zu erfinden, eine Vergleichbarkeit von Dingen allein über eine begriffliche oder sprachliche Nähe zu konstruieren und daraus falsche Schlüsse zu ziehen.

Es spielt hierbei keine Rolle, ob es sich dabei um einzelne Tatsachen oder Unwahrheiten handelt, wenn die mit ihnen verbundenen Aussagen – „Da es Impfschäden gibt, sind Impfungen generell gefährlich.“ „Wer Homöopathie verkauft, glaubt nicht an moderne Medizin.“ – keinen sinnvollen Zusammenhang ergeben.

Sinn und Zweck…

…Von Kommunikation ist es schließlich, Informationen auszutauschen und sich einander verständlich zu machen. Natürlich sind manche von uns mal mehr, mal weniger emotional beeinflusst. Man übertreibt, untertreibt, wird zynisch, ironisch, sarkastisch, unnötig negativ, unrealistisch optimistisch. So menschlich das ist, steht es dennoch dann einer Wahrheitsfindung im Weg, wenn es eine ehrliche Auseinandersetzung verhindert.

Wer Argumente gewinnt, kann trotzdem das Gespräch verlieren.

Fazit:
Wir dürfen von Kommunikation das erwarten, wofür sie da ist. Wenn sie mehr Unklarheit und Verwirrung stiftet, als Informationen zu vermitteln und aufzuklären, liegt es nicht immer an den Empfänger*innen.

 

5. GROSSE GEFÜHLE

Unsere Empfindungen sind nicht von unserer Gedankenwelt zu trennen und reine menschliche Rationalität ist eine Illusion. Gedanken können genauso irreführend sein wie Emotionen und Gefühle. Bei der Wahrheitsfindung gilt es nicht, Emotionen auszuschalten, sondern zu verstehen. Einerseits kann unser Gespür ein nützlicher Hinweisgeber sein.

Zum Beispiel:
Die Aussprache, Körperhaltung und Mimik unseres Gegenübers lässt bei uns gewisse Alarmglocken läuten. Wir wissen noch nicht warum. Dennoch kann es nicht schaden, vorsichtig mit den Aussagen dieser Person umzugehen.

Andererseits machen wir uns leicht manipulierbar, wenn wir unser eigenes Empfinden nicht verstehen.

Zum Beispiel:
Gewisse Pauschalisierungen oder unüberlegte Behauptungen sorgen bei uns unbewusst für negative Empfindungen. Da wir nicht wissen, woher sie kommen oder uns selbst nicht in unserem Empfinden verstehen, kritisieren andere oder wir selbst eher dieses Empfinden, anstatt das, was es auslöst, zu hinterfragen.

Emotionale Angriffe…

…Sind Teil von Debatten auf allen Ebenen, in Medien, bei öffentlichen Gesprächsrunden, in den Online-Kommentarkästchen, in privaten Gesprächen, im Straßenverkehr, usw. Unter emotionalem Angriff verstehe ich den Versuch, in anderen unangebrachte Emotionen auszulösen, also solche, die einer erwartbaren, konstruktiven oder natürlichen emotionalen Reaktion widersprechen.

Zum Beispiel:
Wenn andere Folgendes in uns auslösen: Angst, wenn keine Gefahr herrscht. Scham, obwohl ich niemanden etwas Schlechtes getan habe. Verzweiflung statt Traurigkeit/Trauer. Pessimismus angesichts hoffnungsvoller Ereignisse, usw.

Diese bewussten oder unbewussten Manipulationsversuche, dienen dazu, unsere Orientierung zu stören. Was wiederum zeigt, dass Empfinden und Denken ineinander fließen. Wenn wir stark negativ erregt sind, fällt es uns schwer, differenzierend, logisch, kontextorientiert, objektiv, empathisch, verständnisvoll, fair und offen zu denken.

Zum Beispiel:
Das Gegenüber versucht abzulenken, indem es ein logisches Zugeständnis hinauszögert und dabei emotionalisierende Aussagen ironische oder zynische Anmerkungen, Beleidigungen, unangebrachte Witze usw. – einfließen lässt. Oder es gesteht zwar zu, dass ein Argument schlüssig sei, reagiert aber zugleich darauf mit heftigen negativen Emotionen, zeigt sich z.B. gekränkt oder wütend.

Auch unbeabsichtigte (auto-)aggressive Reaktionen des Gegenübers, auf überzeugende Argumente anderer, sind letztlich Formen der Zurechtweisung.

Emotionale Angriffen sind wir auch durch Medien ausgeliefert. Reißerische Schlagzeilen und skandalisierende Texte gehören angeblich zum Geschäft, selbst wenn man versucht, Fakten zu verkaufen. Informations-Quellen gibt es allerdings viele. Wozu also sollten wir denen unsere Zeit und Aufmerksamkeit widmen, die glauben, uns emotional manipulieren zu müssen?

Fazit:
Emotionen und Gefühle stehen nicht im Widerspruch zur Vernunft. Genauso wie das Denken dienen sie dazu, einen Teil der Wirklichkeit in einer bestimmten Form wahrzunehmen. Wenn wir sie anerkennen und ihr Potenzial erkennen, sind wir auch weniger leicht durch sie manipulierbar.


6
. SAPERE AUDE, BABY!

Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, forderte Kant. Diesen Mut dürfen wir auch dann haben, wenn wir der erhöhten Stellung von Expert*innen oder Behörden gegenüberstehen.

Zum Beispiel:
Wenn ein emeritierter Professor über Corona-Maßnahmen sprechen will, aber in erster Linie über Medien spricht, die er als generell unkritisch gegenüber den anderslautenden Meinungen seiner Kolleg*innen darstellt, müssen wir als fleißige Medienkonsument*innen selbst keine Mediziner*innen sein, um feststellen zu können, ob das so stimmt oder nicht.

Oder:
Wenn Regierungen gewisse Corona-Maßnahmen für alternativlos halten, ist es oft erhellend, sich jene Expert*innen anzuhören, die die Regierungen beraten, um festzustellen, ob hinter der angeblichen Alternativlosigkeit nicht etwas anderes stecken muss (Was Regierungsberater*innen sagen und was Regierungen nach Beratungen sagen, sind oft zwei verschiedene Dinge).

Auf Internet-Plattformen zeigt sich, dass es zumindest am Mut zur Meinungsäußerung nicht mangelt. Andererseits wird das vielfach geforderte Selber-Denken sehr oft mit Einfach-Glauben verwechselt. Wirklich nachzudenken – gerade öffentlich, idealerweise gemeinsam – wird hingegen regelrecht entmutigt, wenn alle für bescheuert oder schlimmeres erklärt werden, die nicht das glauben, was man selbst glaubt zu denken.

Glauben und Wollen

Vor dem Mut ist natürlich der Wille entscheidend. Wir müssen wissen wollen. Menschen schließlich glauben auch, was sie glauben wollen und warum sie glauben wollen, was sie glauben, kann von unzähligen unterschiedlichen, meist psychischen Faktoren abhängen. Wenn jemand aber seinen*ihren Glauben mit Wissen verwechselt und keinen Willen aufbringt, eigenen Glaubensvorstellungen zu hinterfragen, ist er*sie auch nicht diskursfähig.

Zum Beispiel:
Wenn Medien schon in der Einleitung ein bestimmtes Urteil treffen, aus dem keine Meinung, sondern eine Glaubensvorstellung hervorgeht („Virus aus dem Labor? Wie China die Weltwirtschaft sabotiert und unsere Regierung/die Welt tatenlos zusieht.“), dürfen wir keinen Willen zur Wahrheit erwarten.

Fazit:
Manchmal braucht es Mut, aber in jedem Fall braucht es Willen zur Wahrheit. Wir können uns echten Konsens nicht erschwindeln.

 

7. GESUNDES SELBSTMISSTRAUEN

Das ist überhaupt die Frage:
Denke ich wirklich selbst oder übernehme ich nur die Meinungen, Vorstellungen und vielleicht sogar Emotionen anderer – aus welchen Gründen auch immer?

Skeptizismus beginnt bei uns selbst. Wenn uns die Zeit dafür bleibt, sollte der Ausgangspunkt unserer Überlegungen die Überprüfung unserer eigenen Gedanken und Empfindungen sein.

Der menschliche Verstand ist eines dieser zweischneidigen Geräte. Wenn wir ausgeschlafen sind, unser Blutzuckerspiegel passt und wir selbstbewusst an die Sache heran gehen, können wir damit gordische Knoten zerschneiden. Wenn wir hingegen erschöpft, hangry, abgelenkt, überheblich oder verunsichert sind, können wir uns mit diesem mächtigen Denkorgan auch mächtig in die Finger schneiden. Vor allem unsere Vorstellungskraft lässt sich, allein mit den Mitteln der Sprache, gegen uns verwenden. Umso leichter geschieht das, wenn wir – wie Sokrates vielleicht sagen würde – unser Nichtwissen nicht erkennen.

Übrigens:
Wir müssen uns nicht jederzeit auf geistige Auseinandersetzungen einlassen und sollten Dialoge/Diskurse „sportlich“ betrachten. Sie sind anstrengend und erfordern Fairness.

Beschränktes Wissen

Wir wissen vieles nicht und das wissen wir auch, wir sind uns dessen nur nicht immer bewusst. Vor allem wenn wir mit Aussagen über die Wirklichkeit, mit gewissen Perspektiven von ihr konfrontiert werden, die unserem Wissensstand oder unseren Erfahrungen zu widersprechen scheinen. Bevor wir über diese urteilen, sollten wir überlegen, ob wir überhaupt urteilen können oder es besser wäre, Fragen zu stellen.

Zum Beispiel:
Wenn wir über Sinusvenenthrombosen erfahren, an denen Menschen nach Corona-Impfungen erkranken oder sogar sterben, reagieren wir unterschiedlich, je nach unserer grundsätzlich Einstellung zu diesem Thema. Die Einen werden sich in ihrer Ablehnung der Impfung bestätigt sehen. Die Anderen, die unbedingt geimpft werden wollen, werden die Meldungen herunterspielen. Aber erst wenn wir genauer nachfragen, können wir Tatsachen erfahren, die für jede Meinungsgruppe wichtig sind
z.B. dass das Thromboserisiko durch eine Corona-Erkrankung um ein vielfaches höher sein könnte oder auf welche Symptome man nach einer Impfung achten muss, um Gefahren durch eine Thrombose rechtzeitig zu verhindern.

So wichtig es ist, selbst zu urteilen, lernen können wir nur, wenn wir uns unser beschränktes Wissen eingestehen. Dabei gilt es nicht, dass eine gegen das andere aufzuwiegen. Das Vertrauen in die eigene Urteilskraft ist genauso wichtig wie Bescheidenheit in Bezug auf die eigenen Kenntnisse. Letztlich zählt die richtige Reihenfolge: Zuerst lernen, dann urteilen!

Allerdings gehört es ebenfalls zu den Methoden der Manipulation, unser Wissen bzw. unsere Kenntnisfähigkeit überhaupt in Zweifel zu ziehen. Auch deshalb – um ein Indiz dafür nicht zu übersehen – sollten wir darauf achten, ob sich auch unser Gegenüber seiner eigenen Wissensgrenzen bewusst ist. Manipulative Menschen täuschen oft falsche Bescheidenheit vor, behaupten aber auch gerne, Dinge zu wissen, die sie nicht wissen können.

Ebenso beliebt (z.B. bei TV-Populist_innen in den USA) ist es, ausschließlich “Fragen” zu stellen, die allerdings nicht auf Antworten warten, sondern dazu gedacht sind, gewisse Aussagen zu insinuieren, ohne dass die Fragensteller*innen sich dem Vorwurf aussetzen würden, beispielsweise falsche Verschwörungsnarrative zu verbreiten. Sie stellen ja bloß Fragen, allerdings rhetorische. Das heißt auch, die Frage macht im Kontext des Themas nicht unbedingt Sinn.  

Unnatürliche Auslese

Wir können Tatsachen nur dann abwägen, wenn wir sie in Beziehung zu anderen Tatsachen setzen können. Selektive Wahrnehmung ist zwar so menschlich wie das Lügen, aber selektierte Wahrheiten sind ein Indiz für Manipulationsversuche.

Zum Beispiel:
Es gibt politische Korruption in Zusammenhang mit der Pharmawirtschaft. Anti-Maßnahmen-Demos werden von Rechtsextremen organisiert. Das sind zwar Wahrheiten, die für sich genommen ein bestimmtes Bild zeichnen, aber nicht die ganze Wahrheit.

Wie viel wollen wir vom Bild sehen, ehe wir es beurteilen und andere Menschen verurteilen? Oder wollen wir uns nur mit den Ausschnitten der Wirklichkeit begnügen, die unsere Übertreibungen oder Unterreibungen legitimieren? Sind wir bereit, alles zu sehen, was wir sehen könnten?

Fazit:
Wir können uns immer irren und das ist auch keine Schande. Entscheidend ist, ob wir bereit sind, es uns einzugestehen und zu lernen, bevor wir andere belehren wollen. „What is wrong with you when you’re always right.“, sah ich einmal auf einem Plakat (Urheber*in ist mir nicht bekannt).

 

8. DIE NATUR DER SACHE

Menschen lügen. Wir wollen die Natur beherrschen, das schließt auch die Wirklichkeit (die Natur dessen was ist) und ihre Wahrheiten mit ein. Dadurch ist es für uns naturgemäß schwer zu akzeptieren, wenn die Wahrheit – als Natur der Sache – plötzlich uns dominiert, z.B. indem sie uns mit einer globale Pandemie und ihren unausweichlichen Konsequenzen konfrontiert, die unser Leben stark einschränken.

Unwahrheiten dienen in gewissen Fällen dem Überleben. Zur „Sünde” werden sie, wenn sie genau das nicht mehr tun, wenn sie anderen und/oder uns selbst Schaden zufügen. „Konsequentes Lügen ist im wahrsten Sinne des Wortes bodenlos und stürzt Menschen ins Bodenlose, ohne je imstande zu sein, einen anderen Boden, auf dem Menschen stehen könnten, zu errichten.“, schreibt Hannah Arendt in „Wahrheit und Politik“.

Zum Beispiel…
glauben Nichtwähler*innen, dass Wahlen nichts brächten, weil sich in ihrer Wahrnehmung dadurch nichts ändern würde. Aber gerade durchs Nichtwählen bringen sie sich um ihre sicherste Möglichkeit, etwas im Bereich der Politik (wenn auch nicht alleine durch sie) zu ändern und erhalten dafür keine gleichwertige Alternative.

Oder:
Menschen nehmen gewisse Regierungsmaßnahmen als Ende des Rechtsstaats wahr, auch wenn diese in seinem Rahmen beschlossen wurden und entschließen sich daraufhin, den Rechtsstaat zu “verteidigen”, in dem sie sich rechtswidrig verhalten. Sie nehmen sich dabei in aller Regel die Handlungsmöglichkeiten, die sie hätten, wenn sie selbst im Rahmen der Rechts agierten.     

Wenn wir vom zweckmäßigen aktiven Lügen dazu übergehen, die scheinbar für uns zweckmäßigen Unwahrheiten anderer zu übernehmen, geraten wir unter Umständen in eine Scheinwelt, die wir nur mit weiteren Unwahrheiten am Eigenleben halten können und in der wir den Boden der Tatsachen unter den Füßen verlieren. Damit nehmen wir uns nicht nur Handlungsmöglichkeiten, sondern auch die Gewissheit jeglicher Wahrheit. Womit wir auch den Sinn (der Sache) aus den Augen verlieren.

Fazit:
Menschen stehen in der gleichen widersprüchlichen Beziehung zur Wahrheit, in der sie auch zur Natur stehen. Lügen ist menschlich. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Unwahrheiten die Wirklichkeit genauso wenig ersetzen können wie das Künstliche die Natur.

 

9. DER DIALOG

Kompliziert wird die Suche nach Wahrheiten zwischen unterschiedlichen Meinungsgruppen, wenn alle irgendwo Recht haben (könnten). Deshalb ist der Respekt vor der Meinung anderer auch mehr als reine Höflichkeit. Wir können im Vorhinein nicht wissen, ob andere nicht teilweise irgendwo Recht haben und Tatsachen erkennen, die uns verborgen blieben.

Zum Beispiel:
Wenn Impfgegner*innen davon sprechen, dass Menschen lieber ihr Immunsystem stärken, gesünder leben und die Ursachen dieser Pandemie bekämpfen sollten, haben sie mit diesen Aspekten nicht unrecht, auch wenn diese eine Impfung nicht ausschließen.

Oder:

Wenn mit Pharmariesen involvierte Mediziner*innen dafür plädieren, dass die Bevölkerung mehr aufgeklärt und weniger in Panik versetzt werden sollte, können vermutlich auch Menschen dieser Aussage etwas abgewinnen, die der Pharmaindustrie grundsätzlich skeptisch gegenüber stehen.

Wenn wir wirklich den Willen zum Wissen und zur Wahrheit haben, sollten wir auf andere entsprechend achten. Wer Rhetorik hingegen als Waffe versteht, mit der es gilt, eine Ansicht oder ein ganzes Weltbild zu verteidigen oder durchzusetzen und darüber hinaus andere zu täuschen, tut sich letztlich selbst keinen Gefallen.

Sokratisches

Am Eingang zum Apollotempel des Orakels von Delphi, soll Sokrates von einer Inschrift inspiriert worden sein: „Erkenne dich selbst“. Das ist auch vermutlich die wichtigste Voraussetzung für einen ehrlichen Dialog. Zuerst müssen wir uns unserer eigenen Grenzen, unseres eigenen Nichtwissens bewusst sein und das erfordert Ehrlichkeit uns selbst gegenüber.
Selbsterkenntnis und Selbstliebe stehen einander sehr nahe. Es ist schwer, Wahrheiten über sich selbst zu ertragen, wenn man sich dabei vor den Erniedrigungen durch den*die innere*n Kritiker*in fürchten muss.

Wer Wahrheit sucht, darf keine Angst davor haben, sich zu irren.

Wer sich selbst (an)erkennt, damit verbunden auch Verständnis und Empathie für sich selbst findet, kann auch Verständnis und Empathie für andere finden. Auch das ist Voraussetzung für einen guten Dialog.

Die Prinzipien des guten Dialogs lassen sich, wie gesagt, nicht nur auf äußere und innere Gespräche anwenden, sondern stellen ebenfalls eine Orientierungshilfe auf unseren Weg durch den Informations-Dschungel dar. Denn wo es an ihnen mangelt, mangelt auch an einem Willen zu Wissen, Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

Es braucht:

  • Keine Rechtsextremen 
    – “Der Feind meines Feindes” ist nicht automatisch mein*e Verbündete*r
  • Klare Begriffe, die von allen verstanden werden
    – Wir kommunizieren, informieren und denken in Sprache. Begriffe im öffentlichen Diskurs für alle gleichermaßen zu (er)klären, ist letztlich auch ein demokratischer Akt. Gezielte Begriffsverwirrung gehört zu den Basiswaffen von Populismus, Informationskriegsführung und Scharlatanerie.
  • Wertschätzung für die Offenheit anderer und die Wahrheit im Allgemeinen
    – Es ist schwer, eine gemeinsame Wahrheit mit Menschen zu suchen, denen wir feindselig gegenüber stehen; wenn wir nur nach Fakten streben, um sie gegen andere zu verwenden. Wahrheit dient nur sich selbst und wir können in dem Fall nicht “Diener zweier Herren sein”.
  • Kommunikation, die zum Ziel hat Informationen zu vermitteln und verständlich zu machen
    – Was für Begriffe gilt, gilt auch für die Kommunkationsweise an sich. Gerade Expert*innen, die sich mit der Aura des Geheimnisvollen bzw. Unverständlichen umgeben, sind mit Vorsicht zu bedenken. Unabhängig von der Person (und unserer Beziehung zu ihr), sollten wir uns eingestehen, wenn Aussagen einfach unverständlich für uns sind.

  • Anerkennung von eigenen und fremden Emotionen und Gefühlen
    – Unsere Empfindungen beeinflussen unser Denken. Die Emotionen anderer können uns beeinflussen. Anstatt Gefühle und Emotionen im Namen der Rationalität zu unterdrücken und in Diskursen/Dialogen versucht auszuklammern, sollten wir sie uns bewusst machen und mit ihnen arbeiten.

  • Mut und Willen unseren eigenen Verstand zu benützen
    – Es braucht manchmal Mut und Selbstvertrauen, dem eigenen Verstand zu vertrauen. Und es braucht jedenfalls den Willen zur Wahrheit, wenn wir irgendwie über Wahres sprechen wollen.

  • Gesunde Skepsis – auch uns selbst gegenüber
    – Zum Mut zur Wahrheit gehört auch das Bewusstsein unserer eigenen Grenzen und Wissensmängel. Wir sollten zuerst unsere eigene Wahrnehmung und Auffassung überprüfen, bevor wir über andere und ihre Aussagen urteilen, so wie man eine Brille reinigt bevor man sie benützt, um die Welt zu betrachten.
  • Die Akzeptanz dessen was ist
    – Bedeutet nicht, dass man das was ist als für immer gegeben annehmen muss. Aber ein Bewusstsein für das Hier & Jetzt erlaubt es auch, Handlungen zu setzen, die eine Chance haben, die Zukunft positiv zu beeinflussen. 

 

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