STEFAN ANTONIK SEIDLER = AN SEE  

 

Sinn in der Sinnlichkeit und Lust in der Suche,
erotische Wirkungszusammenhänge einer geteilten Welt,
mit all ihren fruchtbaren Folgen und der wegweisenden Sehnsucht ins Leben,
von Philosophie zu Erosophie darum fließt sie.


Wohne und arbeite in Wien. Verwendete Pronomen: er/ihm // they/them

 

Das Leben ist eine Reise mit veralteten Karten. Selbst wenn wir ankommen, wo wir hinwollten, kann die Zwischenzeit dort alles verändert haben.
ich arbeitete mehr als 12 Jahre im Sozialbereich. Was ursprünglich als Student*innenjob begann, prägte mein Familienleben, meine Freundschaften, mein Denken und Schreiben. In dieser Zeit wurde ich Papa und schrieb einen Roman. Ich begann neue Beziehungen und probierte neue Beziehungsformen. Ich lernte Menschen aus allen möglichen Gesellschaftsbereichen, Berufen und Lebensnieschen kennen, mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften und Interessen, Schwächen und Stärken, Behinderungen und Fähigkeiten, sexuellen Orientierungen und Gender-Identitäten, Herkünften und Ankünften.

Es ist eine Reise, die zwischen den Stühlen begann, zwischen zwei Klettergerüsten meines Kindergartens, zwischen Buben und Mädchen. Meine Reise verläuft auch heute noch auf Grenzlinien, begleitet von meinen persönlichen Lebenskrisen und Phobien. Sie stehen im ursächlichen Zusammenhang mit Entwicklungstraumata und hoher Sensibilität einerseits.  Andererseits trägt meine queere sexuelle Orientierung und Genderidentität ihren Teil zu diesem Komplex bei.

Meine Reise ging in viele Richtungen, aber brachte mich letztlich dahin, zu erkennen, dass ich mich selbst neu kennen lernen und letztlich lieben lernen müsse. Hier beginnt Eros seinen Fuß in den Sand zu setzen. Was auch zu Wiederentdeckung alter Hilfsmittel führte, manche entdecke ich neu.

Das Tagebuch begleitet mich seit mehr als zwei Jahrzehnten. Mit ihm und ihn ihm erfand ich ein neues System der Selbstreflexion und des Verarbeitens überwältigender Eindrücke, vor allem in Phasen der Selbstisolation. Auch die Philosophie rettete mir das Leben. Feministisches Denken, das mich schon vor Jahren aus dem Schockzustand meiner Verständnislosigkeit befreite, dient auch heute noch dem besseren Begreifen und der Einordnung meiner Erfahrungen als queere Person. Aber auch der Laufsport trug mich durch schwierige Zeiten. Meditation lernte ich bereits als Kind kennen. Ich lernte sie wieder und immer noch kennen. Manchmal liegt das, was wir brauchen, längst in unseren Händen – wir müssen sie nur öffnen.

In meiner Überlebenssinnsuche lernte ich, dass der Begriff der Ganzheitlichkeit keine leere Worthülse sein muss. Egal wo wir unsere ersten Schritte setzen, früher oder später müssen wir uns um alle Bereiche kümmern, die uns ausmachen. Umwege sind oft eine Suche wert.

In meinem Fall stand am Anfang das Wort. Der Geist fragte nach dem “Warum eigentlich?” und der Körper folgte – in beiden Fällen gehen Sehnsucht und Lust voraus.

Auf dieser Etappe meiner Reise bleiben die Wegweiser wie tragende Säulen stehen, auf die ich den Dachbegriff Erosophie setze (und ich bin übrigens nicht der erste, dem er einfällt). Eros weht dazwischen wie er will und bewegt sich nie weit weg von der Sophia. Ich glaube, Liebe und Weisheit stellen Ausgangspunkt und Ziel eines sinnliches wie sinnvollen Lebens dar. Die Beschäftigung mit Erosophie ist nur eine logische Etappe auf einer ungeplanten Lebensroute.

– Stefan See (Antonik-Seidler)

kontakt@erosophie.com
Debüt-Roman: “Ein Mann von Almería – Die Abenteuer eines Geflohenen”
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